Entre les mondes

IMG_9432-0.jpg

 

Wir sitzen auf dem Dach des Containers und sehen der Sonne beim Untergehen zu. Um mich herum nur dreckige Sneaker, verschüttete Drinks und halbfertige Joints, während drinnen der Bass wummert. Und trotzdem schaut er mir die ganze Zeit nur in die Augen und erzählt seine Geschichte. Davon, wie man sich selbst verlieren kann, wenn man sich für andere Menschen zu sehr aufopfert; von französischer Arroganz und von einem letzten großen Coup, bevor es dann nach Berlin ging. Die letzten drei Tage kommen mir wie Jahre vor, so groß ist die Gier in mir, all das hier aufzusaugen. Habe keine Sekunde gerastet, weil ich mich so sehr nach dem Schwindel dieses viel zu schnellen Strudels aus Emotionen gesehnt habe.

Der größte Fehler ist, zu erwarten, dass andere etwas in dir auslösen, was du selbst nicht hervorrufen kannst und trotzdem sitze ich hier und warte darauf, dass mich diese ganze Situation wieder zu meinem alten Ich macht.

Einen undefinierbar langen Gedanken später stehen wir auf der Tanzfläche und er hält mein Gesicht in seinen Händen, während ich nicht aufhören kann, zu grinsen. Continue reading Entre les mondes

Thoughts.

IMG_9961

Zwei Wochen sind jetzt schon vergangen seitdem ich meine Sachen gepackt und nach London abgehauen bin! Zwei Wochen alleine in einer fremden Stadt. Zwei Wochen voller Erlebnisse, atemberaubender Eindrücke und interessanter Menschen.

In dieser Zeit habe ich mir gezwungener Maßen viel Zeit für mich nehmen müssen und viel zu viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Mein Leben, meine Zukunft, mein Job, läuft das jetzt wirklich so wie es soll? Macht das hier alles wirklich Sinn?

Manche Tage habe ich nur mit dem Gedanken an Zuhause überstanden, an meine Freunde und Familie, die mich nie im Stich lassen. Schließlich passiert es in so einer hektischen und großen Stadt schnell, dass man sich sehr einsam fühlt.

Continue reading Thoughts.

Über die Anfänge meines kreativen Lebens

13621584_10206492388610135_759586567_o

 

Einen kreativen Beruf auszuüben hat zahlreiche Vorteile. Man kann sich selbst ausdrücken, mit den Mitteln die man sich selbst angeeignet hat – denkt man.
Doch schon in der frühen Zeit meines Studiums wurde ich eines Besseren belehrt.
Egal was man macht, egal was man sagt und egal in welcher Art und Weise man sich versucht auszudrücken und sich selbst zu finden, es steht immer ein urteilendes Wort hinter jedem kreativen Schaffen.

Continue reading Über die Anfänge meines kreativen Lebens

Until we meet again

p

 

In drei Tagen, da wäre dein Geburtstag. Und dieses Jahr ist es über ein Jahrzehnt her, dass ich dir zum letzten Mal gratulieren konnte. Allein diese Zahl, Zehn, sie schlägt mir so fest in die Magengrube und hinterlässt ein großes, schwarzes Loch. Das Loch, das mich daran erinnert, dass du nun schon fast mein halbes Leben nicht mehr da bist, und die Einsicht, dass der Schmerz immer noch nicht besser geworden ist und es wohl auch nicht mehr werden wird.

Ich fühle mich schuldig, zum einen, weil ich erst jetzt (hier) über dich schreibe und zum anderen, weil ich keine Worte finden kann, die dir gerecht werden. Wenn du jetzt hier wärst, dann würdest du mich in den Arm nehmen, denn du hast mir noch nie etwas übel genommen. Mit dir gab es kein Drama und keine Enttäuschungen, du warst einfach immer da für mich und einer der besten Menschen, die ich je kennenlernen durfte.

Continue reading Until we meet again

Repeat.

11011225_1019883871363301_6342750447740575916_n

Der Hype um dich, der scheint endlos, denn alle wollen bei dir sein. Du erzählst Geschichten von Freiheit und von Rebellion und vor allem junge Leute und solche, die immer jung bleiben wollen, hängen dabei gierig an deinen Lippen. Du bist wunderschön, keine Frage, wenn auch mit vielen Ecken und Kanten – vielleicht machen auch gerade die dich spannend. Du bist unendlich vielseitig und du weißt genau um deine Mächtigkeit, mit der du jeden umhaust, der dich das erste Mal sieht. Du bist wie unser eigenes kleines New York, denn du gibst einem unendlich viele Möglichkeiten.

Continue reading Repeat.

The privilege of choice

blog4

“Wir leben hier auf dem Sahnehäubchen der Torte. Nichtmal das, wir sind die Spiegelung auf der Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Die meisten wissen nicht einmal, wie froh sie sein können, hier geboren zu sein.”

Ich habe das unglaubliche Glück, von Personen unterrichtet zu werden, die solche Dinge sagen. Dinge, die mich oft nachdenklich machen oder inspirieren. Und Inspiration ist tatsächlich das höchste Gut für mich. Alleine so etwas sagen zu können, das ist schon Luxus.
Und Glück habe ich auch, dass ich hier geboren bin, auch wenn ich das oft vergesse und mich über Dinge beschwere. Für uns ist das alles so selbstverständlich, dass wir sogar manchmal gar nicht darüber nachdenken, wie anders alles sein könnte.
Dass manche Menschen in eine Kaste hineingeboren werden und aus dieser kaum wieder herauskommen, dass manche Kinder mit einer AK, die fast so groß ist wie sie selbst, herumlaufen müssen um sich zu schützen, oder dass manche Frauen (ältere) Männer (aus anderen Kulturen) heiraten müssen, um sich und ihr Kind durchzubringen. So etwas in seiner offensichtlichsten Form habe ich heute beobachtet und es spukt mir noch immer im Kopf herum.
Denn während wir uns hier beklagen, wenn es mal eine Weile schwierig in einer Beziehung läuft oder man nicht schnell genug einen neuen Partner findet, gibt es so viele Menschen da draussen, die die Freiheit dieser Wahl nichtmal besitzen. Sie vielleicht nichtmal kennen oder erwarten. Oder diese einfach opfern. Selbst dass wir uns verrückt machen können, wieso der süße Typ von gestern noch nicht geantwortet hat, obwohl da doch die blauen Häkchen sind, das ist Luxus. Und obwohl all diese Dinge für uns persönlich ein kleiner Weltzusammenbruch sein können, unser Liebeskummer Seiten und Postkästen füllen kann, ist das glaube ich nicht halb so schlimm, wie jeden Tag neben einem Menschen aufzuwachen, den man nicht liebt, der einen vielleicht nicht versteht oder zu dem man sich kein bisschen hingezogen (oder schlimmeres) fühlt.

(Das alles soll nicht heißen, dass sich nicht auch Pärchen verlieben können, die verheiratet wurden, aus Vernunft oder Tradition geheiratet haben. Ich bin mir sicher, man kann einen Menschen auch lieben lernen wenn man als Fremde geheiratet hat. Ich rede nur gerade von dem Fall, falls das nicht eintritt.)

Ich kann werden, was auch immer ich will und ich kann entscheiden, mit wem ich meine Zeit verbringe. Und das ist eine Sache, die man glaube ich mit keinem Geld der Welt aufwiegen kann.

(English Version)

“We all live on on the cream topping of the cake. Not even that, we are the reflection on the cherry on the cake. And most of us don’t even know how lucky we are to be born here.”

And I am so lucky to be taught by people who say things like that. Things that make me think about everything and inspire me. And inspiration is one of the most precious things for me. And being able to say something like that already is luxury. I am also lucky to be born here, although i tend to forget that sometimes and complain about things. And because we take all that for granted we even forget to think about how different it all could be.

While some people get born into a caste and have almost no chance of leaving it one day, that some kids need to carry around an AK almost as tall as themselves to protect their lives or others need to marry a(n) (older) stranger to pull themselves and their kids through.

I saw an obvious situation like that today and it’s still kinda haunting me. Because while we complain when it gets tough in a relationship or when we can’t find a new partner quick enough there are so many people out there who don’t even have this choice. Who maybe don’t even know or expect it. Or are willing to give it up. Even obsessing about why the cute guy from yesterday didn’t write back yet although you can see the blue ticks is already a privilege.

And even though all these things can mean a small breakdown for us that can fill up blogs or inboxes, i’m sure its not half as bad as waking up ever day next to someone, who we dont love, who doesnt unterstand us or who doesnt attract us even a little bit (or worse).

I can do whatever i want with my life and i can choose who to spend my time with. And thats a thing more precious than all the money in the whole world.

Rehab

 

 

Berlin, du bist zu meiner Droge geworden.

Aber von den meisten guten Drogen hält man sich besser fern.

Oder lernt zumindest, sich ihnen nicht zu sehr hinzugeben.

Nun trennen uns zwei weitere Jahre, obwohl ich doch schon so lange ungeduldig warten musste.

Das lachende und das weinende Auge, die sind geblieben – nur der Grund, der hat sich geändert.

Eigentlich muss ich dankbar sein für die Chance, hier alles richtig zu machen.

Und für die zweite Familie, die ich dort immer haben werde.

I guess its right what theyre sayin – everybodys got a price. So no need to feel cheap.

Irgendwann wird das Geld keine Rolle mehr spielen. Und dann wird uns nichts mehr trennen können.

Doch bis dahin, für die nächsten zwei Jahre, da wirst du meine Geliebte sein.

Und ich werde soviel Zeit mit dir verbringen wie möglich, ohne dabei meine Verpflichtungen zu vergessen.

Du bist der beste Grund für ein Doppelleben, denn bei dir bin ich ein anderer Mensch.

Du bist das Refugium, an das ich denke, wenn ich mich durch die ätzende Realität hier kämpfe.

Und wenn mir die mit rosa Zuckerguss überzogenen Luis Vui Täschchen mal wieder fast den Verstand rauben – dann bist du da und fängst mich auf, sorgst dafür, dass ich meinen Verstand nicht verliere.

Die nächsten zwei Jahre werden hart. Aber du weißt ja, die Affäre liebt man immer am meisten.

Limitless

Pic via iheartberlin
Pic via iheartberlin

 

(Scroll down for english version!)

Es hat ungefähr 35° Grad hier drinnen und ich bin umgeben von Dunkelheit. Alle Leute, die mich noch gerade begleitet haben sind wie immer plötzlich weg, ein einziges Meer aus blitzartig erscheinenden Bildern in surrealen Farben umfließt mich. Ich schreibe schon wieder über’s Feiern und das tut mir Leid, aber daran sieht man eben, dass ich es nicht nur des Zeitvertreibs oder Gruppenzwangs wegen tue, sondern weil ich wirklich etwas darin finde. Dieser Ort hier überflutet mich jedesmal wieder so sehr, dass ich sofort vergessen habe, wie ich mich eben noch über die lange Wartezeit und die dreiste Behandlung der Mitarbeiter aufgeregt habe, kaum bin ich drei Schritte hinein gegangen.

Es ist Magie und Fluch zugleich fürchte ich, aber es ist auf jeden Fall bemerkenswert und einzigartig, was hier erschaffen wurde. Es ist eine eigene Welt, eine Welt aus dunklen Bildern und Tönen, Dinge, denen einfach nur wenige Leute auch gewachsen sind und genau deshalb ist das hier die bestbewachteste Festung der Stadt. Der Bass drückt so sehr auf meine Lungen, dass ich immer wieder gegen die ansteigende Panik, nicht genug Luft zu bekommen ankämpfen muss und dann löst sich sowieso alles um mich herum auf.

Ich weiß nicht mehr, was ich wirklich sehe und höre, denn alles um mich herum nimmt mich so sehr ein, dass es ein neues Ganzes ist. Einige von euch mögen das Wahnsinn nennen,für mich aber ist es die höchste Stufe an Inspiration. Die Achtelsekunden, in denen der Raum stroboskopisch erleuchtet ist, zeigen eine derart vielfältige Szenerie, dass man sie kaum begreifen kann, bis sich das Bild schon wieder verändert hat. Um mich herum sind Fratzen und auch Engel, und jede einzelne Bewegung verschmilzt zu einer homogenen Liebe. Das hier ist nicht nur ein Club, es ist ein Heiligtum, es ist absolute Freiheit und damit so unendlich selten und wertvoll geworden. Alles auf Anfang gesetzt und bleiben tut nur der Bass, in dem mein ganzer Körper bebt, und die Hingabe zur Musik. Nichts kann meinen Kopf so ausschalten wie dieses Gebäude, diese eine Festung, in der sich sogar dein wahres Ich so geschützt fühlt, dass du ihm vollkommene Freiheit lassen kannst.

Das hier ist der beste Film, den ich seit langem gesehen habe, und ich weiß, dass ich von diesen Bildern die nächsten Wochen zehren werde, bis ich hierher zurück kann. Daran will ich gerade noch nicht denken, ich will nichtmal auf die Uhr oder mein Handy schauen, ich will eigentlich nur, dass dieser Moment für immer ist. Denn eines weiß ich noch mehr:

Ich will hier nie wieder weg.

 

ENG

Its about 35 degrees in here and I’m surrounded by darkness. All the people who have just been with me, are, as always, suddenly gone, and a merged sea of ​flashing images in surreal colors is flowing around me. Im writing again about partying and I’m sorry about that, but it also shows that I am not doing it just to pass the time or because of the peer pressure, but because I can really find something in it. This place floods me every time i’m here so much, that I forgot immediately how mad I had just been about the long queue and the brazen treatment you need to endure from the employees, as soon as I put a feet in there.

I’m afraid its blessing and curse at the same time, but it is also remarkable and unique what has been created here. It’s its own world, a world of dark images and sounds, things that just few people can really cope with and that’s why this is the best-guarded fortress of the city. The bass is pressing so hard on my lungs that I constantly  need to fight the rising panic of not getting enough air and then all of this dissolves anyway.

I don’t know anymore what I really see and hear because everything around me is capturing me so much that it is forming a new whole. Some of you may call it madness, but for me it is the highest level of inspiration. The eighths of a second, in which the space is illuminated in a stroboscopic way, show such diverse sceneries that you can hardly comprehend them completely before the picture is changing again. Around me are grimaces and angels, and every single movement merges into a homogeneous love. This is not just a club, it is a sanctuary that offers you absolute freedom and this is what makes it so rare and valuable. All set to start and the only thing remaining is the bass, to which my whole body trembles, and the dedication to music. Nothing can turn off my head like this building, this is a fortress in which even your real self feels protected enough to be finally free.

It is the best movie I’ve seen in a long time and I know that I will live on these images for the next few weeks until I can come back here. I don’t even wanna think about that right now, nor do i want to look at the clock or my phone; all i want is for this moment to last forever. And there’s only one thing that i’m even more sure of:

I don’t ever want to leave again.

 

Fashion circus

fashion
English version, scroll down for the german one.

„Huh? You are leaving for Berlin, now that Fashion Week is just over?“

I’m showing her an amused grin. Yeah, I probably should have been there,

just to go to these endless partys of dressing up, shaking hands and handing out business cards.

And meanwhile write about all the shows of course, although most of them bore me to death to be honest. This is not me hating about the fashion week (cuz most ppl who do that are just frustrated they didn’t get invited) , its just me explaining why i decided to not be a part of this anymore.

And i’m not talking about my passion for fashion (haha) but about my growing reluctance to obey the rules of this rather twisted game.

I didn’t leave my university because i didnt want to create clothes anymore, but because i was sick of looking at my future of non/underpaid internships in making coffee or the growing pressure of competition of my colleagues because the stress makes you into rivals.

It’s because i couldnt stand to let my designs, my heart and soul get valued, suppressed or dictated by people who act like they invented fashion personally but rather look like average-dressed hollow puppets without even a hint of creativity.

And i haven’t even talked about the child labor that makes your H&M shirt a five dollar shirt and which we couldnt even stop any time soon no matter how hard we tried, because this society is so full of consuming.

Everything is about connections and nobody is inspiring anymore, because lets be honest, who is still really himself?

I’ve met so many incredibly talented people, designer, photographers, muses and stylists, and the ones who deserved success the most had to fight the hardest not to drown, while rich daughters and narcissistic assholes without any sense of style or talent pave their way with dollar notes or flattery.

All of this makes me so sad and angry and before i accept or support it by becoming a part of it i’d rather turn my back on it.

And while the field i’m working in now is for sure also not the easiest one, i’m glad to have more possibilities here, just because the medium im working with is not so limited.

Cuz everything i’ve ever wanted is to unfold completely. And you just cannot do that if you live in this golden cage called fashion.

(Every wondered where our name comes from? The fashion scene is destroying itself so much. And all the ground walls of its beauty are burning, although it used to be defined by them. 

Fashion is really not far from being dead.)

(And it’s breaking my heart)

 

Deutsche Version 

 

„Wie? Du fährst heute nach Berlin, jetzt wo die Fashion Week gerade vorbei ist?“

Ich muss ein wenig schmunzeln. Ja, vielleicht hätte ich dort sein sollen, allein der Partys wegen. Mich aufbitchen, allen vorstellen, bezaubernd lächelnd Visitenkarten verteilen. Und euch natürlich brav von den Shows berichten – von denen mich der Großteil nunmal leider so gar nicht interessiert hat. Ich will jetzt gar nicht die Berliner FW schlecht machen, denn das machen nunmal leider eher die Leute, die sowieso keine Einladungen bekommen hätten.

Ich will einfach nur erzählen, wieso ich mich etwas von dem ganzen Modezirkus gelöst habe. Und damit meine ich nicht meine Begeisterung für Mode sondern mehr meinen immer größer werdenden Unwillen, mich den verkorksten Regeln dieses Spiels zu beugen. Ich habe nicht mein Modedesign Studium abgebrochen, weil ich keine Mode kreieren möchte – sondern weil ich keine Lust auf un(ter)bezahlte  Praktika im Kaffeekochen für die nächsten 2 Jahre oder die mit dem Konkurrenzdruck einhergehende Hinterfotzigkeit der Kollegen hatte. Keine Lust hatte, meine Designs, mein Innerstes, mein Herzblut von Leuten bewerten, unterdrücken oder diktieren zu lassen, die denken, sie hätten Fashion höchstpersönlich erfunden (Karl dürfte das vielleicht.), aber eigentlich nur mittelmässig angezogene hohle Hüllen mit null eigener Kreativität sind.

Und dabei habe ich noch nicht mal angefangen von der Kinderarbeit zu reden, die das 5€ H&M Tshirt überhaupt ermöglichen und die wir, egal wie sehr wir es versuchen, auch so schnell nicht abschaffen können, weil unsere Konsumgesellschaft es nicht zulässt.

Alles läuft über Connections und inspirierend ist eh fast niemand mehr, denn wer macht denn heute noch sein eigenes Ding?

Ich habe so viele abartig talentierte Leute in den letzten Jahre kennengelernt, Modedesigner, Fotografen, Musen und Stylisten. Und gerade die, die den Erfolg am meisten verdient hätten, mussten am härtesten kämpfen, um nicht unterzugehen, während reiche Töchterchen oder narzisstische Arschlöcher ohne Geschmack oder Talent sich ihren Weg einfach mit Dollarscheinen oder Schmeichelei geebnet haben.

All das macht mich traurig, und bevor ich es hinnehme oder unterstütze, indem ich ein Teil davon werde, kehre ich dem lieber den Rücken.

Und auch wenn meine jetzige Branche sicherlich auch nicht die leichteste ist, stehen mir dort nunmal mehr Wege offen, einfach nur weil das Medium nicht so beschränkt ist.

Denn alles, was ich je wollte, ist, mich frei entfalten zu können. Und das geht in dem goldenen Käfig, der sich Fashion nennt leider nicht.

(Je darüber nachgedacht woher unser Name kommt? Die Modeszene, sie zerstört sich gerade selber. Sie fackelt die wunderschönen Grundmauern nieder, die sie einst definiert haben.

Fashion ist auf dem besten Weg, dead zu sein.)

The 5 stages.

silvester2

 

Ich kann gar nicht aufhören zu quietschen, und das alles wegen eines Titelbildes einer geöffneten Pforte über 600km entfernt von mir. Ich ernte komische Blicke, aber das hier wird wahrscheinlich sowieso keiner von denen verstehen. Ungeduldig warte ich darauf, diesen Klotz Beton endlich verlassen zu können, nur um mich dann wieder darüber aufzuregen, dass in meinen Koffer nicht genug Zeug reinpasst. Ist schon komisch, was in einem Jahr so alles passieren kann. Hier in München sind die Bookings jedes Jahr beinahe beängstigend gleich und letztes Jahr um diese Zeit habe ich meinen persönlichen Feierrekord von 10 von 11 Tagen hintereinander aufgestellt und war so glücklich wie nie. Jetzt graut es mir bereits vor de Rückfahrt und ich spiele mit dem Gedanken, einfach dort zu bleiben und unterzutauchen. Ich habe heute einen Artikel über die 10 Zeichen, an denen du erkennst, dass du in der falschen Stadt lebst gelesen und 9 davon haben zugetroffen; aber nichtmal das macht es leichter. Ich muss euch schon zu Tode langweilen mit diesem scheinbar nie endenen Kampf und Zwiespalt und das tut mir Leid, aber so sehr ich es mir auch wünschen würde, derart krasse Entscheidungen kann man leider nicht rationalisieren. Das Leben ist kein Konjunktiv, also konzentrieren wir uns auf das jetzt und her und  vor allem darauf, wer ich geworden bin, denn das sagt eigentlich am Meisten aus. Diese Veränderungen machen mir Angst, denn selbst ich erkenne mich selber kaum wieder. War niemals so gereizt, sarkastisch und gleichgültig wie jetzt und hätte auch nie gedacht, den Großteil meiner Leute so von mir fortzustoßen. Ich habe versucht, das Richtige zu tun, ich hatte Angst vorm Entfremden, Vermissen und vorm Neu Anfangen. War stolz auf die Privilegien, auf meine Festung, sei es emotional oder räumlich gesehen, ich habe mir immer wieder anhören müssen, dass ich hier doch alles habe.

 

Ja. Alles, ausser die Luft zum atmen, die ich brauche, um mich zu entfalten.

Alles ausser Freiheit, alles ausser Chancen, über mich hinauszuwachsen, alles ausser einen Himmel mit vier Ecken über mir und sonst nichts.

Als würde man eine Pflanze mit Schnaps gießen, eine Weile wird sie das sicher mitmachen, aber irgendwann vertrocknet sie dir. Das hier ist das Leben, das ich führen will, aber es ist nicht der richtige Ort dafür.

Und ich habe leider unterschätzt, wie wichtig der Boden für die Früchte, die du aussähst, wirklich ist.

Ich habe nur dieses eine Leben und ich muss es aus diesem Käfig rausbringen, auch wenn ich die Leute liebe, mit denen ich ihn teile. Lieber so, als dass ich sie am Ende noch mehr verletze, weil ich den Anblick der Gitterstäbe nicht mehr ertrage.

I once wrote ‘give me back my home’. I wish I’d never realized the true meaning of that.